Moral im Affiliate Marketing – Von Verantwortung, Fake-Tests und mehr

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Nischenseiten sind perfekt dazu geeignet, themenspezifischen Traffic zu generieren und diesen durch Affiliate Marketing zu monetarisieren. Doch wie sieht es mit der moralischen Verantwortung für die eigenen Seiten aus und von welchen Vermarktungskonzepten oder Produkten sollte man besser die Finger lassen?

Martin Mißfeldt, dessen Blog ich gerne lese, hat kürzlich einen Beitrag zu Test – und Vergleichsseiten veröffentlicht und diesen ein vernichtendes Urteil ausgestellt.

Dies möchte ich nun als Anlass dafür nehmen, meine Sicht der Dinge darzulegen und die moralische Verantwortung von Affiliates zu beleuchten.

Unterschied zwischen Moral und Gesetz

Ich bin kein Anwalt, deshalb sind alle Informationen in diesem Beitrag als subjektive Meinungsäußerung zu betrachten. Eine Sache sollte meiner Ansicht nach nichtsdestotrotz gleich zu Beginn angesprochen werden: Zwischen moralischen Grauzonen und Gesetzesverstößen gibt es einen klaren Unterschied.

Wer als Affiliate gezielt betrügt, bewegt sich auf sehr dünnem Eis. Das zeigt nicht zuletzt die aktuelle Abmahn–Affaire gegen Fake Testseiten. Es zeigt sich, dass Bezeichnungen wie Test oder Testsieger ohne tatsächlich durchgeführte Tests gefährlich werden können. Affiliates sollten sich also immer im Vorhinein informieren, was in einem bestimmten Themenbereich erlaubt ist und was nicht.

Was ist moralisch vertretbar?

Gerade im Verkauf und in der Vermarktung von Produkten ist der Begriff Moral abgesehen von ethischen Standards und dem, was der gesunde Menschenverstand diktiert, absolut subjektiv. Ich zum Beispiel ernähre mich aus gesundheitlichen Gründen rein pflanzlich. Trotzdem werde ich auf meiner Nischenseite abnehmen-tipps.fitness, die ich gerade aufbaue, auch Partnerprogramme einsetzen, die konventionelle Ernährungsmodelle enthalten.

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Andere Veganer würden mir hier wahrscheinlich vorwerfen, mich unmoralisch zu verhalten. Ein Fleischesser sieht das aber komplett anders. Ebenso verhält es sich bei Alkohol, Tabakwaren, zuckerhaltigen Süßspeisen, bestimmten Behandlungsmethoden für Krankheiten, diversen Erziehungsansätzen für Hunde und bei so gut wie allen anderen Produkten und Dienstleistungen. Die Moral liegt nur zu oft im Auge des Betrachters.

Habe ich eine moralische Verantwortung für meine Seiten?

Beim Einsatz von Partnerprogrammen und dem Bewerben von Fremdprodukten stellt sich natürlich die Frage, wem man verpflichtet ist – außer dem eigenen Geldbeutel. Meiner Meinung nach besteht tatsächlich eine gewisse moralische Verantwortung gegenüber Lesern und Seitenbesuchern.

Diese wird aber nicht von den individuellen Ansichten und Meinungen des Seitenbetreibers diktiert, sondern von dessen Intention beim Bewerben verschiedener Produkte. Denn wenn man seinen Besuchern minderwertige Lösungen, von denen man weiß, dass sie nur heiße Luft sind, als hochqualitative Wundermittel anpreist, wird es in höchstem Maß unmoralisch.

Aber solange einem wirklich daran gelegen ist, den Bedarf des Websitebesuchers bestmöglich zu bedienen (worauf ich im Folgenden noch näher eingehe), ist und bleibt die Sache mit der Moral subjektiv. Man kann es schließlich nicht jedem Recht machen.

Wie viel Moral können sich Affiliates leisten?

Bis hierher haben wir etabliert, dass die Frage der Moral eher themenspezifisch und situationsbedingt zu interpretieren ist. Es gibt keine Checkliste, die man abhaken kann, damit man sich anderen Affiliates moralisch überlegen fühlt. Die Absicht ist das, was zählt. Alles andere ist gänzlich subjektiv.

Aber wenn wir mal komplett ehrlich sind, dann geht es am Ende des Tages darum, Geld zu verdienen. Selten aus Gründen der Gier, meist aus der Notwendigkeit heraus. Man muss die Miete bezahlen, Essen auf den Tisch bringen und Medikamente besorgen. Es ist nun mal so, dass es in der Wichtigkeit der Menschen, denen man sich verpflichtet fühlt, eine klare Rangliste gibt.

An erster Stelle steht natürlich das Wohlergehen der Familie. Dann kommen Freunde und Geschäftspartner. Danach kann man sich um Leser Gedanken machen. Hat man dann noch Spielraum, kann man sich um die Meinung von Kritikern kümmern. Wenn das eigene Überleben von Marktanteilen, Kaufraten und Provisionen abhängig ist, dann wird die Diskussion über Moral jenseits der Intention zu einem Luxusproblem.

Man sollte sich durchaus bewusst sein, mit wem man im Internet konkurriert. Wie in anderen Geschäftszweigen auch, wird im Online Marketing mit harten Bandagen gekämpft. Wer das Vergnügen hat, tiefer in die Materie einzutauchen und die Möglichkeit bekommt, hinter die Kulissen der Verkaufssysteme und Strategien des ein oder anderen Experten bzw. Unternehmens zu blicken, der schlägt hart auf in der Realität.

Von gekauften Links über bezahlte Testimonials, negative SEO und gekaufte Youtube-Aufrufe, Likes und Shares, um die eigenen Videos zu pushen, werden alle Register gezogen. Gemacht wird, was geht. So und nicht anders sieht das wirkliche Leben aus. Die meisten Menschen haben eben kein Problem damit, Wasser zu predigen und Wein zu trinken. Vor diesem Hintergrund erscheinen Diskussionen über die Moral kleiner Affiliates dann auch eher kleinlich. Es sei denn, es wird gezielt getäuscht.

Wie unmoralisch sind Testseiten?

Der Grundthese in Martin Mißfeldts Artikel über „Fake Test- und Vergleichsseiten“, die besagt, dass es sich meist nicht um tatsächliche Tests der Produkte handelt, kann man nicht widersprechen. Damit hat er schlicht und ergreifend Recht.

Wie verwerflich ist also dieses Nischenseiten-Modell? Meiner Meinung nach kommt es hier wieder auf die Umsetzung und auf die Intention des Seitenbetreibers an. Wenn klar zu erkennen ist, dass es sich nicht um physische Test vor Ort handelt, sondern vielmehr um Produktvergleiche anhand technischer Daten und bestätigter Nutzerbewertungen von Verkaufsportalen wie zum Beispiel Amazon, sehe ich damit moralisch kein großes Problem. Und das hat einen Grund:

Die Suchmaschinenoptimierung und somit die Nischenseitenausrichtung geht zunehmend weg vom einzelnen Keyword, hin zur Bedarfsermittlung des Nutzers. Denn nur wenn der Bedarf optimal erkannt – und bedient wird, kann es zum erfolgreichen Abschluss kommen.

Sucht jemand also nach der Begriffskombination „Produkt + Test“, dann ist es die Aufgabe des Affiliates, herauszufinden, was dieser Mensch genau braucht. Dementsprechend wird die Seite dann ausgerichtet. Dies lässt sich am besten an einem praktischen Beispiel verdeutlichen:

Bedarfsspezifische Testseiten
Ich hatte eingangs erwähnt, dass ich mich aufgrund von schwerwiegenden Gesundheitsproblemen rein pflanzlich ernähre. Dementsprechend brauche ich einen leistungsstarken Mixer für meine grünen Smoothies, Kräutergetränke und anderen Rohkostmischungen.

Suche ich jetzt nach der Keywordkombination „Hochleistungsmixer Test“ dann ist meine Erwartungshaltung die, dass Google mir eine Seite anzeigt, die mir den Mixer mit dem besten Preis – Leistungs – Verhältnis vorstellt, der den Aufgaben gewachsen ist, die ich ihm zumute.

Interessieren würde mich dann noch die günstigste Variante, die aber wahrscheinlich nicht ausreichend Power hat und das teuerste Modell, das wahrscheinlich noch ein bisschen besser ist aber zu hochpreisig.

Hat der Seitenbetreiber seine Hausaufgaben gemacht und meinen Bedarf hinter den Keywords ermittelt, nach denen ich suche und stellt er mir das für meine Zwecke beste Produkt vor, dann ist es mir als Nutzer vollkommen egal, ob er einfach nur gründlich recherchiert – oder tatsächlich selbst Tests durchgeführt hat .. solange er mir letzteres nicht vorgaukeln will.

Gelange ich nach einer Google Suche auf eine Seite mit dem Keyword „Test“ in der Domain und finde einen guten Produktvergleich, der transparent darstellt, auf welcher Basis er aufgebaut ist, bin ich zufrieden. Wenn mir natürlich irgendwelche Tests und Testsieger untergejubelt werden sollen, wo es keine Tests gibt, wird es gefährlich.

Manipulative Tatsachenverdrehung auf Testseiten
Problematisch wird es auch dann, wenn der Affiliate auf seiner Testseite nicht das Produkt am besten bewertet, das perfekt auf mich zugeschnitten ist, sondern das, das die höchste Provision für ihn abwirft. Dieses Risiko besteht natürlich.

Aber das kann auch bei physischen Tests passieren. Es ist nicht gesagt, dass dabei die Absichten immer lupenrein sind. Auch gibt es gesponsorte Tests mit kostenlosen Produkten oder gegen Bezahlung. Ob das besser ist, als gründliche Recherche und die geordnete Darstellung technischer Spezifikationen sei mal dahingestellt.

Und hier sind wir dann wieder bei der Intention. Solange der Seitenbetreiber sich die Mühe macht, meinen Bedarf hinter dem jeweiligen Suchbegriff zu ermitteln und diesen nach bestem Wissen und Gewissen zu bedienen, interessiert es mich herzlich wenig, ob es sich um Tests oder um Vergleiche anhand spezifischer Daten handelt. Zumindest, solange dies offen und ehrlich kommuniziert wird.

Unmoralisch wird es dann, wenn eine gezielte Tatsachenverdrehung stattfindet, um eine höhere Provision abzugreifen oder wenn Tests gefaked werden.

Fazit

Die Diskussion über Moral im Affiliate Marketing ist sicher schwierig, jedoch durchaus berechtigt. Aber solange die Intention stimmt, ist die moralische Wahrnehmung einfach zu subjektiv, als dass man einen festen Kodex für jedes einzelne Themengebiet etablieren könnte.

Man sollte auf keinen Fall gezielt betrügen oder Fehlinformationen streuen, sondern den Bedarf des Suchenden ermitteln und bestmöglich bedienen. Test – und Vergleichsseiten ohne physische Tests sind im Affiliate Bereich natürlich besonders kontrovers. Denn sie bieten das Potential für die unverschämtesten Manipulationen.

Das zeigt nicht zuletzt die derzeitige Abmahn–Panik unter Testseitenbetreibern. Aber wer die nötige Arbeit in Recherche und Umsetzung investiert, der kann seinen Lesern auch mit einer datenbezogenen Vergleichsseite eine informative Entscheidungshilfe beim Kauf zur Verfügung stellen und muss sich nicht mit Fake–Testseiten ins Abseits stellen.

Autor

Mein Name ist Martin Krein, ich bewege mich seit 2011 im Bereich Online Marketing und neben dem Erstellen von Nischenseiten komponiere ich Hintergrundmusik für Unternehmen, Selbständige und Kreative. Diese ist auf meiner Website gemafreie-musik.studio zu finden.

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4 Gedanken zu „Moral im Affiliate Marketing – Von Verantwortung, Fake-Tests und mehr“

  1. Sehr guter Beitrag. Ich sehe es genauso, wie man das Kind jetzt nennt ist eigentlich wurscht. Wer sagt das informationsrecherche nicht aufwendig sei. Der Sagt nicht die ganze Wahrheit. Auch wenn es unter bestimmten Markteilnehmern öffentlich geszeigt wird das man eine Seiten binnen in 3 Tage hoch ziehen kann.

    Der Lügt, oder sie sieht dem entsprechend aus. Aber leider gibt es ja anscheinend Leute da draußen die das glauben. Ich bin selber Entwickler und Programmiere in mehreren Sprachen und weiss wovon ich spreche. Immer mehr Menschen wollen alles am besten Kostenlos.

    Aber 20K für ein Auto auszugeben ist, ja ganz normal. Aber 20K für Software ausgeben ist nicht in Ordnung? Schon mal überlegt das bestimmte Menschen hinter so einer Software 2-5 Jahre entwicklungszeit dahinter steckt 😉 oder mehr ohne einen Cent zu sehen! Und sowas soll dann auch kostenlose angeboten werden?
    Ist sowas Moralisch?

    Desweiteren haben sich Menschen in einer Programmiersprachen in ca. 3 Jahre oder mehr Sprachen angeignet. Warum sollte das nicht belohnt werden? Eine Software kann ihr leben lang laufen und eine Webseite auch.

    Kann das ein Auto auch? Ich finde es immer sehr Lustig, wenn andere behaupten das ist kein Ding in 2 Stunden so was zu erstellen. Aus meiner Sicht, wissen Sie nicht wovon sie reden.

    Ich möchte auch nicht der OpenSource Gemeinde auf die Füße tritten aber dieses ganze Abmahnen und Schadenersatz klagen, finde ich nur Lächerlich wenn keine Menschen zu schaden kommen. Aber es ist ja auch ein Markt oder nicht ?

    So wünsche jetzt noch allen Menschen da draußen ein Glückliches und zufriedenes Leben.

    1. Der Vergleich hinkt doch total. Für Software wird zum Teil noch viel mehr ausgegeben als für ein Auto. Schau dir halt mal die 200 Mitarbeiter Studios in der Spieleprogrammierung an oder halt die Entwickler bei Adobe, Steinberg und anderen entsprechenden Entwicklern. Da arbeiten viele Menschen, für hohe Gehälter, an entsprechend großen Projekten, die Millionen verschlingen bis sie fertig sind. Der Konsument kauft es entweder für mehrere hundert Euro (Steinberg Cubase, Final Cut X…) oder eben als Massenprodukt für 70 Euro (Videospiele). Wo wird also nicht viel Geld für Software ausgegeben? Es wird sehr viel Geld für Software ausgegeben.

      Wenn aber jemand bei sich daheim im Keller was in C++ oder auch nur PHP schreibt, und sei es auch noch so genial, kann er nicht erwarten dafür in reellen Arbeitsstunden bezahlt zu werden. Entweder er macht es fest angestellt für ein gutes Gehalt, oder eben in seiner Freizeit. Mit viel Glück wird ein Startup draus, oder er verkauft sein fertiges Produkt selbst, aber kann nicht erwarten, dass irgendwer einem Freelancer 20K überweist. Wozu auch… da macht jede Festanstellung mehr Sinn und ist sicherer.

      So oder so hinkt der Vergleich total für mich.

      Das mit dem kostenlos ist eine ganz andere Geschichte. Ja, das bricht uns allen gerade das Genick. Der Werbemarkt fällt weg bzw. verlagert sich und so weiter. Auf der anderen Seite: Wo sie einen früher abgezockt haben, weil das Wissen nicht da war, sinken jetzt halt die Preise. Also heulen oft auch die rum, die früher einfach unverschämt gute Geschäfte gemacht haben. Trotzdem stimme ich bei der Kostenlos-Mentalität zu, denn der Preiskampf schadet einfach nur noch und das jedem. Aber auch da geht es ja letztendlich nur darum, dass Giganten wie Amazon ihre Monopole aufbauen, indem sie alle in die Knie zwingen und dann endlich die Preise komplett selbst bestimmen können.

  2. Irgendwie wundert mich die aktuelle Fake Test Diskusion schon etwas. Sicherlich muss darüber auch gesprochen werden. Doch irgendwie schlägt die Diskusion im Moment recht hohe Wellen. Diese „schnell reich werden Aktionen“ die meiner Meinung nach viel schlimmer sind die breiten sich immer mehr aus und darüber wird kaum gesprochen oder diskutiert.

    1. Ähnlich wie bei den sicherlich zurecht beanstandeten „xxx-test.de“-Seiten, fallen auch mir immer wieder die „schnell viel Geld verdienen mit Nischenseiten“-Aktionen auf. Youtube protzt nur von solchen Videos und es liest sich dort so als ob man innerhalb von einem Monat problemlos tausende an Euros verdienen könnte.

      Wer sich etwas mit diesem Thema auskennt, wird den Kopf schütteln. Ähnlich wie bei den vermeintlichen Test-Seiten.
      Aber ich gebe Jörg absolut Recht: darüber spricht niemand und dieses Thema sollte dennoch einmal mehr Beachtung finden .

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